Licht und Wort
Beitrag · Gebet

Wenn ihr betet

Das Vaterunser, Satz für Satz erklärt

Das Gebet, das Jesus uns gegeben hat – Matthäus 6,5–15

Der Rahmen: Beten ohne Show

Das Vaterunser steht mitten in der Bergpredigt. Jesus warnt davor, zu beten, um von Menschen gesehen zu werden, und davor, viele Worte zu machen, als müsse man Gott überreden. Gott weiß schon vor unseren Worten, was wir brauchen (Matthäus 6,8). Beten heißt also nicht, Gott zu informieren, sondern ihm zu vertrauen und mit ihm im Gespräch zu sein. Dann gibt Jesus ein Beispiel, wie ein solches Gebet aussehen kann. Es ist kurz, klar und umfasst alles.

Die Anrede: „Unser Vater im Himmel“

Schon die ersten zwei Wörter sind ein Geschenk. Vater: Wir dürfen Gott so ansprechen, weil Jesus Christus uns zu Kindern Gottes macht (Johannes 1,12; Römer 8,15). Unser: Wir beten nie ganz allein, sondern verbunden mit allen, die zu ihm gehören. Im Himmel: Er ist der Vater und zugleich der Allmächtige. Er ist nah und doch größer als alles, was uns bedrückt.

Drei Bitten für Gott

Die ersten drei Bitten drehen sich um Gott selbst: „Dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.“ Das ist ungewohnt, weil wir sonst mit unseren Anliegen beginnen. Jesus stellt uns zuerst auf den richtigen Platz: Es geht um Gottes Ehre, Gottes Herrschaft und Gottes Willen. Das ist keine Selbstverleugnung, sondern Befreiung, denn Gottes Wille ist gut. Wer so betet, lässt los und gibt Gott in seinem Leben den ersten Platz.

Drei Bitten für uns

Dann folgen drei Bitten für uns. Das tägliche Brot. Wir dürfen um das Nötige für heute bitten, und zwar ganz konkret. Martin Luther hat im Kleinen Katechismus erklärt, dass zum täglichen Brot alles gehört, was wir zum Leben brauchen. Es ist eine Bitte für den Tag, nicht für den Vorrat, und sie übt Vertrauen ein.

Die Vergebung. Wir bitten um Vergebung unserer Schuld, wie auch wir denen vergeben, die an uns schuldig geworden sind. Jesus fügt gleich danach an (Verse 14–15), dass der, der nicht vergeben will, auch selbst Vergebung nicht erfährt. Das ist kein Handel, sondern eine Prüfung unseres Herzens: Wer erfahren hat, wie viel ihm vergeben wurde, kann nicht verhärtet bleiben (vergleiche Matthäus 18,21–35).

Bewahrung. Zuletzt bitten wir, dass Gott uns nicht in Versuchung führe, sondern von dem Bösen erlöse. Das ist das Eingeständnis, dass wir uns nicht selbst schützen können, und die Bitte, dass der Vater uns hält.

Der Schluss

In unseren Gottesdiensten schließen wir meist mit dem Lobpreis „Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit“. Er fehlt in den ältesten Handschriften des Matthäusevangeliums, ist aber ein altehrwürdiger Gebetsschatz der Christenheit und bringt zum Ausdruck, was das ganze Gebet sagt: Gott gehört alles, und wir dürfen ihm alles anvertrauen.

Wie Du das Vaterunser beten kannst

Das Vaterunser ist nicht nur zum Aufsagen da. Du kannst es langsam beten und bei jedem Satz verweilen. Manche nehmen sich jeden Tag eine Bitte vor und sprechen mit eigenen Worten darüber. Und wenn Dir die Kraft für lange Gebete fehlt, genügt auch ein einziger Satz, zum Beispiel einfach: „Vater, unser Vater.“

Zum Weiterdenken

  • Lies Matthäus 6,5–15 in der Lutherbibel 1984. Welche der sieben Bitten fällt Dir am leichtesten, welche am schwersten?
  • Gibt es einen Menschen, dem Du vergeben möchtest, aber noch nicht kannst?
  • Was bedeutet es für Dich, Gott „Vater“ zu nennen?

Ein Gebet zum Schluss

Vater im Himmel, danke, dass ich zu Dir kommen darf, wie ein Kind zu seinem Vater. Lehre mich beten und Dir vertrauen. Dein Name werde geheiligt, Dein Reich komme, Dein Wille geschehe. Amen.