Ein Bild aus dem Weinberg
Am Abend vor seiner Kreuzigung spricht Jesus mit seinen Jüngern lange und eindringlich. Mitten in diesen Abschiedsreden steht ein Bild, das jeder Weinbauer verstanden hat: Jesus nennt sich den wahren Weinstock und seinen Vater den Weingärtner. Wir sind die Reben. Im Alten Testament war oft Israel der Weinstock Gottes, der leider schlechte Früchte brachte (zum Beispiel Jesaja 5). Jesus sagt von sich, dass er der wahre Weinstock ist, an dem Gott seine Freude hat. Wer zu ihm gehört, hängt an dem, der Frucht bringt.
Bleiben, nicht schaffen
Das wichtigste Wort des Abschnitts ist ein unscheinbares Zeitwort: bleiben. Es kommt in diesen Versen immer wieder vor. In Jesus bleiben, und er in uns: darum geht es. Eine Rebe kann nicht aus sich selbst Frucht bringen, sagt Jesus, sie muss am Weinstock bleiben. Ohne ihn, so sagt Jesus, bringt ihr nichts zustande.
Das ist ein befreiender Gedanke. Eine Rebe strengt sich nicht an. Sie presst keine Trauben hervor. Sie hängt am Stock, und der Saft des Stockes bringt die Frucht hervor. Das Christenleben ist darum zuerst eine Verbindung und dann erst Leistung. Es gilt auch für den, der krank oder schwach ist und wenig „tun“ kann: Was Gott an uns wachsen lässt, hängt nicht an unserer Betriebsamkeit, sondern an unserer Verbindung zu Jesus.
Wie bleibt man?
Jesus selbst nennt die Mittel: sein Wort und das Gebet. Wenn seine Worte in uns bleiben, verspricht er in Vers 7, dann hört der Vater unsere Bitten. Wer in der Bibel liest und mit Gott redet, bleibt am Stock. Dazu gehört auch, seine Liebe anzunehmen (Vers 9) und sein Gebot der Liebe zu leben. Alles andere wächst daraus.
Frucht und Reinigung
Jeder Weingärtner schneidet im Winter die Reben zurück. Jesus sagt, dass der Vater die fruchtbaren Reben „reinigt“, damit sie mehr Frucht bringen. Das ist ein Wort für alle, die sich fragen, warum ihnen manches genommen wird. Gott hat dabei kein anderes Ziel als Frucht. Und die Jünger sind, wie Jesus in Vers 3 sagt, schon rein um des Wortes willen, das er zu ihnen geredet hat.
Was meint „Frucht“? Nicht nur Taten. Das Neue Testament nennt an anderer Stelle Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit (Galater 5,22). Und Jesus nennt in Vers 11 sein Ziel: Seine Freude soll in uns bleiben, und unsere Freude soll vollkommen werden. Der Weinstock macht nicht müde, sondern froh.
Ein ernster Satz
Jesus spricht in Vers 6 auch von der Rebe, die nicht am Stock bleibt: Sie wird weggeworfen und verdorrt. Er will keine Angst machen, aber er will warnen: Ein Glaube ohne Verbindung zu Christus hat keinen Saft. Darum lohnt es sich, täglich neu zu ihm zurückzukehren.
Zum Weiterdenken
- Lies Johannes 15,1–11 in der Lutherbibel 1984 und unterstreiche das Wort „bleiben“.
- Was hilft Dir ganz praktisch, mit Jesus verbunden zu bleiben? Was lenkt Dich ab?
- Wo versuchst Du, aus eigener Kraft Frucht zu bringen?
Ein Gebet zum Schluss
Herr Jesus, Du bist der Weinstock, ich bin eine schwache Rebe. Halte mich fest bei Dir. Lass Dein Wort in mir bleiben und Deine Liebe mich erfüllen. Schenke mir Frucht, die Dir gefällt, und Freude, die von Dir kommt. Amen.